business campaigning an der re:publica 15

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Vergangene Woche fand in Berlin zum neunten Mal die re:publica statt, eine Konferenz, welche sich mit verschiedenen Themen im Zusammenhang mit der digitalen Gesellschaft auseinandersetzt. Aber das wussten Sie vermutlich bereits – oder zumindest diejenigen unter Ihnen, welche Twitter nutzen. Denn dort konnte man sich dem #rp15 kaum mehr entziehen. Auch ich begab mich im Namen von business campaigning auf nach Berlin, um neue Inputs fürs Campaigning zu sammeln. Die wichtigsten Punkte, welche ich zu den Themen Hoax-Kampagnen, Mobilisierung auf Youtube, Community Management und Crowdfunding mitgenommen habe, finden Sie hier.

Um diesen Beitrag zu schreiben, habe ich mal einen Blick in meine Notizen geworfen und musste mit Erschrecken feststellen, dass diese teilweise sehr dürftig waren. Ein Blick in meine Twitter-Timeline verriet mir auch warum: Ich hatte durchaus Notizen gemacht, nur halt in Form von Tweets. Dem Erfolg des #rp15 nach zu urteilen, war ich wohl auch nicht die Einzige. Daher habe ich mich entschieden, einen Teil der Sessions in Form von Storifies festzuhalten. Neben den vier vorgestellten Sessions besuchte ich natürlich noch einige mehr (so z.B. den sehr empfehlenswerten Talk Sex, Unicorns and Awesomesauce). Zum Glück wurden alle Sessions aufgezeichnet und sind hier in Video-Form und hier in Audio-Form verfügbar.

Tag 1 Hoax-Kampagnen: Opium fürs Empörungsvolk

Dieser sehr amüsante Talk von Deef Pirmasens und Christian Schiffer setzte sich mit dem Thema Hoax-Kampagnen auseinander, also Kampagnen deren einziges Ziel es ist, die Leute hinters Licht zu führen. Bestes Beispiel hierfür: Die Geschichte der Bonsai Kittens oder den „Hiermit erkläre ich, dass Facebook meine persönlichen Daten nicht nutzen darf“-Post, den man immer wieder mal in seinem Feed findet, wenn Facebook wieder mal ihre Datenschutzrichtlinien ändern. Die Zusammenfassung des Talks findet ihr in diesem Storify.

Tag 2 How to Mobilize Supporters with Youtube Videos? – Paneldiskussion

Am Tag 2 der Media Convention Berlin, welche zeitgleich mit der re:publica stattfand, stand Youtube im Zentrum. Diese Paneldiskussion erschien mir besonders interessant, da sie sich mit dem fürs Campaigning zentralen Thema der Mobilisierung auseinandersetzte. Moderiert wurde die Diskussion von der „Prenzlschwäbin“ Bärbel Stolz. Teilnehmer der Diskussion waren Youtuberin Marie Meimberg, Youtuber Nicolas Lindken, Executive Director Communications des WWF Marco Vollmar und Head of Content and Creative Development bei Divimove Hannes Jakobsen. Die vier diskutierten anhand eigener Erfahrungen, wie man am besten Leute mittels Youtube-Videos motiviert.

Diese Session war zwar sehr interessant, kratzte das Thema jedoch nur an (wie so oft in Diskussionen). Die wichtigsten Take-Aways lauteten aber:

  • Glaubwürdigkeit: Die Glaubwürdigkeit steht – wie so oft – im Zentrum. In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass der/die Kooperationspartnerin sich auch privat mit der Organisation identifizieren kann. Dies hat auch einen Einfluss auf die Entlohnung, die zugunsten der Glaubwürdigkeit des Contentproduzenten meist nicht stattfindet. Denn sie würde seine Glaubwürdigkeit in solchen Fällen der Kooperation mindern.
  • Click Baiting: THIS VIDEO WILL CHANGE YOUR LIFE! Natürlich ist es wichtig, einen ansprechenden Titel zu finden, der den User animiert, ein Video zu schauen (Stichwort: Trigger-Wörter). Jedoch sollte der Titel eines Videos nie mehr versprechen, als er halten kann. Die Community wird darüber nicht happy sein und das auch zeigen.
  • Algorithmus: Auch Youtube hat einen Algorithmus, der einen Einfluss darauf hat, ob ein Video dem Abonnenten angezeigt wird oder nicht. Um den Algorithmus für sich zu gewinnen, ist der regelmässige Upload von Videos entscheidend.
  • Viralität: Für Viralität gibt es kein Patentrezept, es ist immer eine Mischung aus vielen kleinen Komponenten. Hilfreich ist jedoch immer, Knotenpunkte im Netzwerk – also Multiplikatoren – anzusprechen und für sich zu gewinnen.
  • Inhalt: Emotionale Inhalte (sowohl positive als auch negative) und Inhalte, welche die Lebenswelt des Users widerspiegeln, mit denen man sich also identifizieren kann – sind Erfolgsfaktoren eines Youtube-Videos.
  • Technisch: Aufrufbuttons sind immer sehr hilfreich, denn sie leiten die Leute an den richtigen Ort.

Grundsätzlich sollte man sich aber auch immer fragen:

Tag 2 Moderation vs. Censurship: The European Parliament’s Red Line

Die re:publica fand dieses Jahr unter dem Motto „Finding Europe“ statt. Passend dazu gab es einige Sessions, die sich mit dem Thema EU auseinandersetzten. Das Europäische Parlament ist – besonders seit den Europawahlen vergangenes Jahr – sehr aktiv auf Sozialen Medien unterwegs. In dieser Session gaben die Community Manager der Mitgliedsstaaten Einblick in ihre tagtägliche Arbeit, die sich – wenig überraschend – oft mit negativen Kommentaren aus der Community befasst. Diesen Workshop möchte ich euch wieder in Form eines Storifys näher bringen.

Tag 3 Crowdfunding: Myth and Reality – Plenumsdiskussion

Diese Session ging in Form einer Plenumsdiskussion der Frage nach, wie viel Community tatsächlich existiert und wie erfolgreich man Crowdfunding mittlerweile einsetzen kann. Denn obwohl Crowdfunding doch schon sehr häufig benutzt wird, ist es noch in der experimentellen Anfangsphase. Zwei Case Studies, welche beide sehr unterschiedlich verlaufen waren, bildeten die Basis der Diskussion. Dies war zum einen die Crowdfunding Kampagne von Nagual Dance und zum anderen die Kampagne von smrtGRIPS. Beide Kampagnen verliefen sehr unterschiedlich, was primär am Resultat zu sehen war. Während smrtGRIPS sein Ziel erfolgreich erfüllte, schaffte es Nagual Dance nicht, die angestrebte Summe gepledget zu kriegen. Die Erfahrungen, welche die Leiter der Kampagnen machten, werden unten aufgeführt.

Nagual Dance

  • Timing: Nagual Dance starteten ihre Kampagne im Sommer – einer Zeit, in der ein Grossteil ihrer Supporterbasis in den Ferien war.
  • Zielgruppe/Reichweite: Die Kampagne mit Freunden zu teilen ist schön und gut, aber wenn man seine Zielgruppe nicht erreicht, bringt alles Teilen der Welt nichts. Und: Zur Zielgruppe gehören diejenigen Leute, die nicht nur am Projekt interessiert sind, sondern auch bereit sind, Geld dafür zu geben.
  • Misserfolg: Nur weil die Crowdfunding-Kampagne ein Misserfolg war, bedeutet dies nicht, dass man als Firma versagt hat. Die Faktoren, die in einer Kampagne zum Zug kommen, sind mannigfaltig und haben nichts mit Business-Erfolg zu tun. Des Weiteren kann man aus den Fehlern einer erfolglosen Kampagne auch lernen – wobei erfolglos hier eigentlich das falsche Wort ist. Denn obwohl Nagual Dance nicht den angestrebten Betrag erreicht haben, hat die Kampagne doch Aufmerksamkeit und Interesse für ihr Produkt generiert.

smrtGRIPS

  • Planung: Man sollte eine Kampagne nie aufsetzen, bevor man nicht alle notwendigen Informationen hat, wie die Herkunft interessierter Supporter, Budget etc.
  • Branding: Der erste Eindruck ist wichtig – daher sollte man von Anfang an brand conscious agieren.
  • Monitoring: Es ist besonders wichtig, die Kampagne während ihrer Laufzeit mittels Tools wie Google Analytics regelmässig zu kontrollieren. So weiss man, wo die Supporter herkommen und wie man noch mehr erreichen kann, beziehungsweise, ob man seine Marketingstrategie überdenken sollte. Remarketing und Retargeting sind in diesem Zusammenhang entscheidende Stichworte.
  • Dauer: Die ideale Dauer einer Crowdfunding-Kampagne ist 30 Tage. So verliert sie nämlich nicht an Momentum.
  • Erwähnungen: In grösseren Publikationen erwähnt zu werden, führt immer wieder zu einem Anstieg von Pledges. Daher ist eine erfolgreiche Medienpartnerschaft erstrebenswert.
  • Prototypen: Bei Hardware-Produkten sollte man unbedingt Prototypen „zur Hand“ haben, welche von potentiellen Interessenten ausprobiert werden können. So wissen sie, wofür sie ihr Geld pledgen sollen.

Abschliessend wurden noch das Thema Belohnung angesprochen. Beide Kampagnenleiter betonten die Wichtigkeit von Belohnungen für Pledgers, da initiale Backers besonders gewürdigt werden sollten, da diese das grösste Risiko tragen. Dazu abschliessend noch der typische Verlauf einer Crowdfunding-Kampagne:

So weit die wichtigsten Eindrücke von meinem ersten re:publica Besuch. Wie eingangs erwähnt finden Sie alle Sessions, sowie die dazugehörigen Präsentationsslides im Internet aufgezeichnet (siehe Links oben). Und: Wer Fragen hat, soll sich melden 🙂

Happy Campaigning!

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