Die Sache mit den Likes

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Ich sehe einen Beitrag bei facebook, den ich eigentlich so lustig, interessant oder lesenswert finde, dass ich ihn gerne teilen oder liken würde. Doch bevor ich das tue, schaue ich noch einmal nach, woher der Beitrag ursprünglich stammt und von wem er genau geteilt wurde. Ich wäge in einem nächsten Schritt dann sogar ab, welche Inhalte diese Person oder offizielle Seite ansonsten so teilt und ob ich das prinzipiell unterstützen möchte, denn irgendwie ist so ein Like oder ein Kommentar doch ein öffentliches Statement.
Und weil es eben so öffentlich ist, überlege ich natürlich auch inhaltlich, ob der Content oder der Beitrag, den ich gerne teilen bzw. liken würde, zu der von mir gewünschten Wahrnehmung über mich selbst passt. (Was denkt mein Netzwerk über mich, wenn ich diesen Beitrag like? Mein Chef, meine Familie, meine Kunden oder Freunde? Was für ein Statement gebe ich damit ab? Welche Position beziehe ich?)
Komme ich zu dem Ergebnis, dass der besagte Inhalt für mein Netzwerk «ganz ok oder sogar gut» rüberkommt, like ich, komme ich zu dem Ergebnis, dass es «komisch» erscheinen könnte, lasse ich es und klicke weiter. 

Das Selbe gilt für die Kommentarfunktion – Gleiches Denkmuster, gleiches Verhalten. Manchmal lese ich etwas, wozu ich so richtig gerne meinen Senf dazuzugeben hätte. Ich tippe meine Meinung in das Kommentarfeld und denke dann: «Mmmhh… Soll ich das wirklich öffentlich posten?» Oftmals lösche ich den Kommentar wieder und klicke weiter, denn es muss nicht jeder wissen, was ich über so manches denke. Am besten sind ja die, ich nenne sie mal «Wellenreiter und zugleich Fähnchen im Wind», die auf jedes aktuelle Thema aufspringen, drauf herumreiten und einfach die Welle wechseln, wenn ein neuer Wind weht (jetzt bin auch ich schon bei der Surfing-Metapher angelangt). Das sind Fähnchen im Wind, die diese Eigenschaften gerne tagtäglich öffentlich zur Schau stellen.

Das Fazit?
Wir liken nicht (alle) die Dinge, die uns wirklich gefallen, sondern wir liken das, was unserer Meinung nach in unserem Netzwerk und auf unserem Profil gut aussieht. Dieses Verhalten ist eine Form der sozialen Erwünschtheit. Bekannt ist diese Verzerrung aus der Soziologie. Sie kommt auch häufig in Interviewsituationen vor. Dabei antworten Menschen das, wovon sie glauben, dass es richtiger sei. Sie antworten das, was man von ihnen hören will. Sie antworten sozial korrekt. Wieso sollte das im Netz anders sein, wenn man nicht anonym agiert.
Wir liken manchmal sogar Dinge, die uns nicht gefallen, weil wir unsere Freunde unterstützen möchten, weil Bekannte uns darum bitten, oder weil uns langweilig ist.

Was heisst das für den Inhalt und das Content- bzw. Social Media Management einer Firma?
Die quantitative Anzahl an Likes alleine reicht als KPI nicht aus. Und zudem heisst es für Firmen nicht, dass die Beiträge mit wenig Likes nicht gelesen oder gemocht werden.
Es ist vielleicht einfach nicht der Inhalt, mit dem die User sich «öffentlich positionieren» möchten.
Folglich sollte der Inhalt eines Social Media Beitrages einen echten Mehrwert schaffen, mit dem die Zielgruppe sich identifizieren kann und positionieren möchte. Ich rate dabei auch von zu viel Katzen-Content ab. Dieser wird zwar gerne geteilt und verbreitet sich daher viral gut, da er meist eher unpolitisch ist und viele Likes generiert. Trotzdem ist es für Unternehmen wichtig, echten Inhalt zu kreieren, mit dem sich die Zielgruppe und die Fans identifizieren können. Nur so lässt sich eine online Community aufbauen, welche soziales Engagement zeigt und dadurch zur viralen Verbreitung der Inhalte beiträgt.

Am Ende gilt das alte Campaigner-Sprichwort: «Du musst nicht jedem gefallen, nur deiner Zielgruppe – der dafür aber so richtig.»

Die Sache mit den Likes

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