Social Media und die Integration in unser Leben

TamagochiTamagotchis – Wer kennt sie noch diese virtuellen Küken, um die man sich nach dem Ausschlüpfen, wie um ein echtes Haustier kümmern musste? Sie haben uns den ganzen Tag auf Trab gehalten. Wir haben sie gefüttert, mit ihnen gespielt und ihnen Zuneigung geschenkt.

Wer sich rückblickend für verrückt hält, dass er in seiner Schulzeit einem technischen Gerät so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat, als hätte er ein echtes Lebewesen vor sich, der sollte sich überlegen, wieviel Zeit er heute mit seinem Smartphone und auf den unterschiedlichsten Social Media-Kanälen, wie Facebook, Twitter, Snapchat, Instagram und vielen mehr verbringt, haben sie doch einen ähnlichen Stellenwert in unserem Leben eingenommen, wie die japanischen Spielgeräte der 90er.

Wir füttern diese Kanäle mit Beiträgen, wir freuen uns mit Ihnen, wir trauern und weinen mit ihnen, wir lachen mit ihnen. Wir erhalten sie am «Leben», wie damals das Tamagotchi. Und auf den Tag betrachtet, nehmen sie enorm viel Raum und Zeit ein, vielleicht sogar mehr als  unsere realen Freunde und Familie.

Dadurch, dass wir als private Nutzer Social Media so sehr in unser Leben integriert haben, bieten eben diese Kanäle auch eine ideale Plattform zur geschäftlichen Nutzung von Firmen und ihren Marketingabteilungen. Ihnen wird hier die perfekte Bühne bereitet, ihre Kampagnen, Produkte und Informationen zielgerichtet zu präsentieren.

Denn wir privaten Nutzer sind dankbare Informationsempfänger und auch Informationsquellen. Ob wir nun selbst Inhalte verbreiten oder nur passiv durchs Newsfeed scrollen und hin und wieder etwas liken oder kommentieren. Beide Arten der Nutzung gibt dem Betreiber der jeweiligen Plattform die Möglichkeit Daten über uns und das, was uns interessiert, zu sammeln und daraus individuelle Konsumentenprofile zu erstellen – unseren digitalen Fingerabdruck. Wir erhalten dann personalisierte Werbung. Und unsere Click- und Like-Raten geben Aufschluss darüber, ob und wie eine Botschaft ankommt. Wem das noch nicht reicht, kann jetzt auf Facebook und Twitter direkt eine Umfrage erstellen und auswerten – also noch mehr Konsumentendaten gewinnen.

Mit all dem angesammelten Wissen über die Konsumenten, ihre Daten und Vorlieben, werden Informationen individualisiert und personalisiert platziert. Treibt man dieses bis zum Extrem, kann von «Nudging» gesprochen werden, ein Phänomen welches den User in eine gewünschte Richtung «schubst». (Beschreibung im Artikel: «Big Nudging», Spektrum; «Wir wissen, was gut für dich ist», BR)

Einige Stimmen sagen, dass dieses Vorgehen gegen die Privatsphäre spricht, diese blockieren Cookies, löschen die automatische Verlaufsspeicherung und kleben ihre PC-Kameras ab. Andere sehen das weniger dramatisch und «freuen» sich darüber, dass sie wenigstens Werbung erhalten, die auf einen zugeschnitten ist.

Die Wirkung von Massen-Medien ist keine neue Erkenntnis der Medienwissenschaft. Und dieser Wirkung sollte sich jeder Internetnutzer bewusst sein. Ob ich derjenige bin, der Informationen entgegen nimmt, oder ob ich der Sender bin. Beides sollte mit Bedacht geschehen. Und dabei denke ich nicht nur an Werbebotschaften, die die Firmen verantwortungsvoll auswählen sollten, sondern auch an die Beeinflussung der öffentlichen Meinung, an die Beeinflussung Einzelner, die sich letztendlich gesamtgesellschaftlich abbilden wird. Gerade im aktuellen Kontext muss man sich die Medienwirkung noch einmal mehr bewusst machen. Social Media erreicht Massen, die nicht alle gelesenen Inhalte reflektiert behandeln. Nicht umsonst rekrutiert eine Organisation wie der IS ihre Mitglieder über derartige Kanäle («Facebook als wirkungsvolles Propaganda Instrument», Steady News). Genauso wird gerade die öffentliche Meinung jüngerer Menschen heute viel eher über soziale Medien gebildet.

Wenn unsere Social Media Kanäle unser «Tamagotchi der 2000er» darstellt (um das wir uns kümmern müssen), dann haben wir alle die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass damit verantwortungsbewusst umgegangen wird.

Social Media und die Integration in unser Leben

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