Share if you care: Wirkungsorientiert Slacktivism vermeiden.

Share if you care Blogbild9 Uhr morgens: Ich sitze im Tram und scrolle meinen Facebook-Feed runter. Amnesty International hat ein Video publiziert, dass zeigt, wie Homosexuelle in gewissen Staaten verfolgt werden. Finde ich natürlich schrecklich – wird also direkt mit meinen Facebook-Freunden geteilt. Man muss ja etwas gegen dieses menschenverachtende Verhalten tun. Drei Posts weiter stosse ich auf ein Statusupdate einer Flüchtlingsorganisation: Sofort Liken. Immerhin leisten die tolle Arbeit. Wow, was für ein Start in den Tag. Wir haben erst 9:02 Uhr und ich habe die Welt bereits ein Stück besser gemacht.

Etwas zugespitzt formuliert, soll die Eingangspassage typische Beispiele des Slacktivism illustrieren. Gemeint ist damit das Phänomen des halbherzigen Feel-Good-Aktivismus in der digitalen Sphäre: Gutes Tun mit einem einzigen Klick. Aber nicht nur als Nutzer_in stösst man darauf, auch als Online-Campaigner_in sieht man sich zwangsläufig mit Slacktivism konfrontiert. Da stellt sich natürlich schon mal die Frage: Kann man online überhaupt noch richtig Menschen mobilisieren?

Die simple Antwort: Ja, kann man. Bei Slacktivism handelt es sich „lediglich“ um ineffizienten Online-Aktivismus. Und was als ineffizient gewertet wird, ist abhängig von der Zielsetzung. Stichwort Wirkungsorientierung:

„Wirkungsorientierung ist strategische Konzeption. Sie beinhaltet, dass zuerst die Ziele, dann die dafür notwenigen Voraussetzungen definiert werden. Sind diese bekannt, werden die notwendigen Wirkungen und die relevanten Zielgruppen identifiziert, deren Mitwirkung wir für die Erreichung unserer Ziele benötigen. Erst zum Schluss werden die Instrumente bestimmt, die die Zielerreichung am effektivsten unterstützen.“

(Peter Metzinger, Business Campaigning. Strategien für turbulente Märkte, knappe Budgets und grosse Wirkungen., S. 35)

Um Slacktivism zu umgehen, muss ich mir also überlegen, was ich mit meiner Kampagne erreichen möchte. Ausgehend davon erweisen sich unterschiedliche Massnahmen und Aktivitäten als geeignet oder eben nicht. So kann das Einfärben eines Profilbilds nützlich sein, wenn mein Ziel darin besteht, die schiere Anzahl meiner Unterstützer_innen zu verdeutlichen. So bald ich jedoch auf zusätzliche Ressourcen (z.B. Einsatz vor Ort oder Geld) angewiesen bin, erweist sich diese Aktion – unabhängig davon, wie viel Tausend daran teilnehmen – als unwirksam und somit als „slacktivistisch“.

Wie helfe ich also meiner Zielgruppe, effizienten Online-Aktivismus zu praktizieren? Indem ich ihnen klar mitteile, wie sie konkret helfen können, sowohl On- als auch Offline. Möchte ich also nur Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken und es reicht, wenn mein Video geteilt wird, formuliere ich dies klar in meinem Call-to-Action: „Share if you care“. Bin ich jedoch auf finanzielle Unterstützung angewiesen, muss zusätzlich ein deutlicher Spendenaufruf formuliert werden.

Also: Effizienter Online-Aktivismus bedingt wirkungsorientiertes Planen und Handeln. Und das ist der sicherste Weg, Slacktivism zu vermeiden.

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