Es war einmal: Storytelling in der Politik

Eswareinmal

In seiner Rede von Gettysburg im Jahre 1863 definierte Abraham Lincoln Demokratie als „government of the people, for the people, by the people“. Damit verdeutlichte er, dass im Kern jeder funktionierenden Demokratie der Miteinbezug der Stimmbürger in den politischen Prozess steht. Ein Blick auf die stetig sinkende Wahlbeteiligung in ganz Europa zeigt jedoch, dass diese simple Forderung schwer zu erfüllen ist.

Die Politikwissenschaft sagt uns, dass es sich bei der Entscheidung abzustimmen selten um einen rationalen Prozess handelt, denn der Kosten-Nutzen-Aufwand für das Individuum ist sehr gering. Wähler mobilisiert also erfolgreich diejenige, die es schafft, bei den Stimmbürgern emotionales Involvement zu generieren.

Emotionales Involvement bedingt Empathie bedingt Verständnis. Um diese Kette auszulösen eignet sich Storytelling, deren Hauptfunktion darin besteht Wissenslücken zwischen verschiedenen Akteuren mit unterschiedlichen Hintergründen zu überbrücken.

Nun kann man bei politischen Storytelling von zwei Wirkungsrichtungen ausgehen: Top-down und Bottom-up. Bei Top-down Storytelling handelt es sich um den weitaus prominenteren Ansatz. Bereits im politischen Prozess verankerte Akteure und Akteurinnen betten ihre Person, ihre Anliegen oder ihre Werte in eine Geschichte und vermitteln sie so verständlich. Besonders erfolgreich gelang dies beispielsweise Barack Obama und der SVP.

Bottom-up Storytelling ist weniger bekannt, weil es weniger auffällig stattfindet. Aus wissenschaftlicher Sicht wird es vor allem im Zusammenhang mit Öffentlichkeits- und Demokratietheorie betrachtet. Es handelt sich dabei um eine Möglichkeit der Stimmbürger sich direkt am politischen Prozess zu beteiligen, indem sie neue Themen, denen unter Umständen noch das passende Vokabular für eine breitflächige Diskussion fehlt (Bsp. häusliche Gewalt in den 70er-/80er-Jahren) anhand eigener Erfahrungen in die öffentliche Diskussion einbringen können. Das verleiht vor allem den politisch Stimmlosen die Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen.

Das Ziel des Campaigning ist es, Menschen zu bewegen um gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Darum ist politisches Storytelling ein unerlässliches Werkzeug in unserer Toolbox. Gerade im Bereich des Bottom-up Storytellings ist hier aber noch viel Luft nach oben, die es zu minimieren gilt.

(Zu unserer Storytelling-Checkliste für Unternehmen geht es hier: Vol. 1 und Vol. 2).

 

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